Tag 73| Angekommen in der Kristall-Klinik auf Seti-Delta6
Heute bin ich in der DNA-Klinik auf Seti-Delta 6 angekommen, dem mittleren Planeten des Soranis-Systems.
Ich war acht Tage unterwegs und der Zustand meiner Hand hat sich mit meinem Allgemeinzustand verschlechtert.
Die Naniten haben begonnen weitere Zellhaufen in meiner Hand anzulegen. Das verursacht nicht nur heftige Schmerzen. Es schwächt mein Immunsystem so sehr, dass man mich wieder in Quarantäne gesteckt hat. Dieses Mal jedoch um mich vor Infektionen zu schützen. Denn niemand weiß wie die Naniten auf eine Krankheit reagieren würden.
Auf dem Transportschiff, mit dem ich von Camaro 5 hergekommen bin, gab es keine Quarantäne-Kabine. Nach vielen Diskussionen wagten die Ärzte mich in Stasis zu versetzen. Deshalb habt ihr auch die letzten Tage nichts von mir gehört.
Erst befürchteten wir eine Reaktion der Naniten. Doch die trat nicht ein. Sie wurden sogar aktiver und begannen weitere Zellhaufen anzulegen. Die Ärzte führen das darauf zurück, dass im künstlichen Tiefschlaf auch das Immunsystem weniger kampfbereit ist.
Jetzt bin ich wieder wach und liege ich in meinem abgeschirmten Kranken-Zimmer. Es ist recht nobel eingerichtet. Ich habe ein eigenes Badezimmer, einen eigenen Com-Terminal am Bett und eine kleine Terasse, die durch ein Kraftfeld von Umwelteinflüssen abgeschirmt ist. Im Moment bin ich aber zu schwach, um einen Schritt hinaus zu machen. Bin ganz froh, wenn ich liege. Eine Woche im Tiefschlaf lassen die Muskeln zu Pudding athophieren.
Das Krankenhaus ist übrigens ein ganz imposantes Gebäude. Die Räume sind aus einem riesigen Kristall herausgeschält worden, der sich viele hundert Meter hoch zum Himmel streckt. Auf Seti-Delta 6 gibt es viele dieser riesigen Kristalle. Sie wachsen in atemberaubenden Formationen auf der Oberfläche des Planeten und dienen den Bewohnern seit vielen Jahrhunderten als Wohnraum.
Die Kristall-Wände meines Zimmers sind wie Milchglasscheiben. Das Licht des Tages fällt sanft gedimmt, weiß schimmernd durch sie hindurch. Dabei bleiben die glasglatten Wände angenehm kühl - auch wenn die durchschnittliche Temperatur hier um die 60 Grad liegt.
Dr. Aborhnik - wegen dem ich hier bin - habe ich nur kurz gesehen. Man schob mich in einem 'Quarantäne-Sarg' (Was für ein schreckliches Wort, übrigens) in mein Zimmer. Ich wachte währenddessen langsam aus der Stasis auf. Durch eine Scheibe in dem "Sarg" über meinem Gesicht sah ich kurz sein Gesicht. Er beugte sich über mich und lächelte freundlich. Ich blickte in ein kindliches Gesicht, dass von den tiefsen Falten durchzogen, die ich je gesehen habe. Sein Kinn ist von einem kurzen weißen Bart bedeckt. Er muss uralt sein. Vielleicht hat er einen Weg gefunden das Altern genetisch aufzuhalten.
Er kommt übrigens von der Erde. Das habe ich im Computer gelesen. Vor 60 Jahren ist er hergekommen, da hier die Regeln für die DNA Forschung recht locker gehandhabt werden.
Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Deltarianer Energiewesen sind. Ihr Bewusstsein ist nicht auf eine körperliche Hülle angewiesen. Sie haben also keine DNA.
Wie Engel aus einer mythischen Erzählung schweben sie als mattrot schimmernde Energiewolken durch die Flure, die man den Körperlichen zuliebe gebaut hat. Ebenfalls für uns versuchen sie eine Art menschliche Form anzunehmen. Das gelingt ihnen eher schlecht. (Was mich beruhigt, denn mit Formwandlern bin ich durch). Lediglich aus der Entfernung kann man sie für menschliche Schatten halten, die vorbei huschen. Vor allem wenn sie einem das Essen ans Bett bringen, platzt ihre gut gemeinte Illusion: Denn ohne Hände heben sie das Tablett per Telekinese. Es schwebt gut einen halben Meter vor ihnen.
Doch jetzt muss ich schlafen. Das schreiben strengt an.
Morgen sehe ich Dr. Aborhnik und Ich bin gespannt, was er vorschlägt.




