MY GALACTICAL

Mit dem Camping-Kreuzer ein Jahr durchs Universum. Mein Reisetagebuch.

17
Nov 2410

Tag 73| Angekommen in der Kristall-Klinik auf Seti-Delta6

Heute bin ich in der DNA-Klinik auf Seti-Delta 6 angekommen, dem mittleren Planeten des Soranis-Systems.

Ich war acht Tage unterwegs und der Zustand meiner Hand hat sich mit meinem Allgemeinzustand verschlechtert.

Die Naniten haben begonnen weitere Zellhaufen in meiner Hand anzulegen. Das verursacht nicht nur heftige Schmerzen. Es schwächt mein Immunsystem so sehr, dass man mich wieder in Quarantäne gesteckt hat. Dieses Mal jedoch um mich vor Infektionen zu schützen. Denn niemand weiß wie die Naniten auf eine Krankheit reagieren würden. 

Auf dem Transportschiff, mit dem ich von Camaro 5 hergekommen bin, gab es keine Quarantäne-Kabine. Nach vielen Diskussionen wagten die Ärzte mich in Stasis zu versetzen. Deshalb habt ihr auch die letzten Tage nichts von mir gehört. 

Erst befürchteten wir eine Reaktion der Naniten. Doch die trat nicht ein. Sie wurden sogar aktiver und begannen weitere Zellhaufen anzulegen. Die Ärzte führen das darauf zurück, dass im künstlichen Tiefschlaf auch das Immunsystem weniger kampfbereit ist.

Jetzt bin ich wieder wach und liege ich in meinem abgeschirmten Kranken-Zimmer. Es ist recht nobel eingerichtet. Ich habe ein eigenes Badezimmer, einen eigenen Com-Terminal am Bett und eine kleine Terasse, die durch ein Kraftfeld von Umwelteinflüssen abgeschirmt ist. Im Moment bin ich aber zu schwach, um einen Schritt hinaus zu machen. Bin ganz froh, wenn ich liege. Eine Woche im Tiefschlaf lassen die Muskeln zu Pudding athophieren.  

Das Krankenhaus ist übrigens ein ganz imposantes Gebäude. Die Räume sind aus einem riesigen Kristall herausgeschält worden, der sich viele hundert Meter hoch zum Himmel streckt. Auf Seti-Delta 6 gibt es viele dieser riesigen Kristalle. Sie wachsen in atemberaubenden Formationen auf der Oberfläche des Planeten und dienen den Bewohnern seit vielen Jahrhunderten als Wohnraum.

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Die Kristall-Wände meines Zimmers sind wie Milchglasscheiben. Das Licht des Tages fällt sanft gedimmt, weiß schimmernd durch sie hindurch. Dabei bleiben die glasglatten Wände angenehm kühl - auch wenn die durchschnittliche Temperatur hier um die 60 Grad liegt. 

Dr. Aborhnik - wegen dem ich hier bin - habe ich nur kurz gesehen. Man schob mich in einem 'Quarantäne-Sarg' (Was für ein schreckliches Wort, übrigens) in mein Zimmer. Ich wachte währenddessen langsam aus der Stasis auf. Durch eine Scheibe in dem "Sarg" über meinem Gesicht sah ich kurz sein Gesicht. Er beugte sich über mich und lächelte freundlich. Ich blickte in ein kindliches Gesicht, dass von den tiefsen Falten durchzogen, die ich je gesehen habe. Sein Kinn ist von einem kurzen weißen Bart bedeckt. Er muss uralt sein. Vielleicht hat er einen Weg gefunden das Altern genetisch aufzuhalten. 

Er kommt übrigens von der Erde. Das habe ich im Computer gelesen. Vor 60 Jahren ist er hergekommen, da hier die Regeln für die DNA Forschung recht locker gehandhabt werden.

Wahrscheinlich liegt das daran, dass die Deltarianer Energiewesen sind. Ihr Bewusstsein ist nicht auf eine körperliche Hülle angewiesen. Sie haben also keine DNA.  

Wie Engel aus einer mythischen Erzählung schweben sie als mattrot schimmernde Energiewolken durch die Flure, die man den Körperlichen zuliebe gebaut hat. Ebenfalls für uns versuchen sie eine Art menschliche Form anzunehmen. Das gelingt ihnen eher schlecht. (Was mich beruhigt, denn mit Formwandlern bin ich durch). Lediglich aus der Entfernung kann man sie für menschliche Schatten halten, die vorbei huschen. Vor allem wenn sie einem das Essen ans Bett bringen, platzt ihre gut gemeinte Illusion: Denn ohne Hände heben sie das Tablett per Telekinese. Es schwebt gut einen halben Meter vor ihnen.

Doch jetzt muss ich schlafen. Das schreiben strengt an. 

Morgen sehe ich Dr. Aborhnik und Ich bin gespannt, was er vorschlägt. 

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09
Nov 2410

Tag 65 | Ergebnisse und Naniten

Heute sind die Untersuchungsergebnisse der molekulargenetischen Scans angekommen. Mit einem schockierenden Ergebnis.

Ich leide an einer Naniten-Infektion. Und das kein eigentlich überhaupt nicht sein. Denn diese winzigen Roboter, tausendmal kleiner als eine Haarspitze, werden sonst nur zu medizinischen Behandlungen in den Körper gespritzt. Normalerweise sind sie programmiert, die DNA von Krebszellen neu zu programmieren, um sie unschädlich zu machen.

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Wie sie ohne eine Behandlung in meinen Körper gelangt sind, ist ebenso unerklärlich, wie ihre Verhaltensprogrammierung.

Sie scheinen nur einen kleinen Zellbereich in der Mitte meiner Hand anzusteuern. Dort verändern sie die DNA in den Zellen. Nur dass der Code für die Ärzte keinen Sinn ergibt. Die Naniten produzieren keine lebensfähigen Zellen. Und deshalb greift der Körper die Zellen sofort mit den eigenen Fresszellen an. Das schmerzhafte daran: Die Naniten scheinen die toten Zellen zu verteidigen und gehen gegen die Freßzellen vor. Dieser Abwehrkampf macht meine Hand krank. 

Und es kommt noch besser. Heute haben die Ärzte versucht das kranke Gewebe zu entfernen. Das haben die Naniten aber nicht zugelassen. Sofort schossen Naniten durch die Blutbahn zu meinem Herzmuskel. Je näher das Laserskalpel dem Gewebe kam, desto stärker krampfte mein Herz. Es stopte sogar kurz. Dann brachen die Ärzte ab. 

Ich habe also nicht nur Roboter in mir. Sie verteidigen auch noch intelligent einen Zellklumpen in meiner Hand. Definitiv zuviel für sonnengebräunte Doktoren in einem Urlaubsgebiet. 

"Wir werden sie nach Seti-Deta 6 verlegen. Dort arbeitet ein DNA Spezialist. Wenn Dr. Aborhnik keine Lösung kennt, dann niemand", so der Chefarzt heute morgen. 

Meine Kasse übernimmt den Transport nicht. Für sie gibt es keine Naniten-Infektion. Die Kasse geht deshalb davon aus, dass ich sie mir selber zugezogen habe. Als ob ich mir die Biester selber gespritzt hätte. Verdammt.

Meine Reise kann ich mir dann wirklich abschminken. Mein Campin-Schiff, die Charger habe ich zurückgegeben. Ich brauche das Geld um den Transport zu bezahlen. Hand oder Reise....Mist. 

 

 

 

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08
Nov 2410

Tag 64 | Im Krankenhaus auf Camaro5

Ich liege im Krankenhaus.

Fünf Tagen lang habe ich unter die Decke meines Zimmers gestarrt, abgeschirmt in Quarantäne. Heute durfte ich das erste Mal mein Zimmer verlassen.

Jetzt schreibe an einem öffentlichen Com-Terminal, dessen Spracherkennnung defekt ist. Das fällt mir schwer allein mit der linken Hand.Nehmt es mir also nicht übel, wenn ich meinen Bericht auf die wesentlichen Ereignisse zwischen meinem jakitanischen Strand-Date und dem jetzt zusammenfassen.

Die Ultrakurzfassung: Meine rechte Hand hat mich umgehauen.

Schon als ich die Bar vor sechs Tagen betreten hatte - ich war gut 20min zu früh für mein Date - hatte der Insetktenstich ziemlich stark geschmerzt. Die rechte Hand unter den linken Arm geklemmt, war es aber noch auszuhalten. NOCH.

Ich setzte mich an die Bar und bestellte einen Cosmic Bang. Normalerweise würde ich niemals mit einem harten Drink in ein Date starten. Doch meine Handfläche fühlte sich immer mehr so an, als hätte ich sie auf einer Herdplatte vergessen.

"Alles in Ordnung bei Ihnen", fragte der Barkeeper und betrachtete mich mit allen seinen acht Augen mütterlich.

"Sie sehen blass aus"

"Das ist die Sonne", sagte ich.

Er drehte sich um, bediente ander Gäste und kam wenige Minuten später mit dem blau leuchtenden Cocktail zurück. In meiner Hand pochte mittlerweile das Blut. Ich klemmte sie fester unter den Arm. 

Mit der anderen Hand zog mit der anderen den Strohhalm aus dem Glas, warf ihn zur Seite und trank in gierigen Zügen gegen den Schmerz an. Der Alkohol brannte im Hals und ich ließ mich die Hand für ein paar Sekunden vergessen. Sekunden in denen ich mich fragte, wie ich das Date einarmig über die Bühne bringen sollte. Schnell nahm ich noch einen Schluck. 

"Was ist mit ihrer Hand", fragte der Barkeeper.

"Ein Stich. Hat sich wohl entzündet", sagte ich. 

"Lassen sie mal sehen"

Sechs seiner acht Augen fokussierten meine Hand. Die anderen beiden behielten die Theke im Blick.  Ich zögerte. 

"Keine Angst. Ich studiere Medizin. Drinks mixe ich nur zum Geldverdienen", sagte der Barkeeper. 

Ich holte meine glühende Hand hervor und erschrak, als ich in die geschwollene Innenseite schaute. Die Haut über dem Ballen war bis zum bersten gespannt. Kleine Wasserblasen hatten sich in der Hand-Innenseite gebildet. Die Hand war so stark geschwollen, dass ich meine Finger nicht mehr bewegen konnte, geschweige denn eine Faust ballen. 

"Damit sollten sie dringend zum Arzt", sagte der Barkeeper.

Dann fragte, ob er meine Hand anfassen dürfe. Ich nickte. Die Finger am Ende seines dritten Arms, der bei Worianiern aus der Mitte des Brustbeins entspringt, berührten meine Hand.

"Die kocht ja" , sagte er. 

Dann drückte er ganz sachte auf meinen Handballen. Ich schrie auf. Es war als hätte er ein stumofes Messer in das Fleisch gebohrt. Die Haut platzte auseinander. Ich blickte in eine klaffende Wunde, sah grau angelaufenes Fleisch. Aus den Bläschen spritzte heißer Eiter über die Theke.

Ich hörte den Barkeeper noch "Ach Du Scheiße" sagen.

Dann wurde ich ohnmächtig. Zehn Minuten vor meinem Date. 

Ich erwachte auf der Quaratnäne Station hinter einem Kraftfeld aus surrender Energie.

Der erste Arzt dem ich begegnete trug einen Vollschutzanzug und stand hinter Glaswand. Von dort aus dirigierte er einen Roboter durch meine Untersuchung. 

Ich lag auf dem Rücken, unfähig zu sprechen, sediert von einem starken Betäubungsmittel. Mein rechter Arm war im rechten Winkel von mir ausgestreckt fixiert worden. Er endete in einer Kiste, die meine Hand abschirmen sollte. Über die Kiste gebeugt waren die Kameras des Untersuchungsroboters. Instinktiv versuchte ich meine Hand aus der Kiste zu ziehen. Als der Roboter merkte, dass ich wach war, drehte er kurz eine der Kamera-Augen zu mir. Dann spürte ich eine kalte Flüssigkeit in meine Adern strömen und schlief wieder ein. 

Heute bin ich zumindest etwas schlauer.  Ganz sicher schließt man einen Stich oder eine Vergiftung aus. Auch eine bakterielle Infektion oder ein Virus konnten mit den Bioscannern nicht ermittelt werden. Deshalb hat man heute die strenge Quaratäne aufgehoben. Das Rätsel gelöst haben die Ärzte noch immer nicht. 

Hand

Die Hand ist bandagiert, genäht und örtlich betäubt. Heute morgen wurde ein molekulargenetischer Scan gemacht. Immer noch ein langfristige Prozedur. Zwei Stunden musste ich die Hand in ein Gerät halten und durfte mich nicht bewegen. Die Strahlen fühlen sich übrigens an wie tausend kleine Elektroschocks an den Körperstellen über die man nicht spricht.

Jetzt warte ich auf das Ergebnis.

Ich hoffe es ist nichts schlimmes.

Irgendwie läuft dieses verdammte Galactical total aus dem Ruder. Freunde ihr fehlt mir. 

 


 

Filed under  //   Tag 0064  
02
Nov 2410

Tag 58 | Zurück im Urlaubsmodus auf Camaro5


Pchangou

Ich bin zurück im Urlaubsmodus. 

Kurz entschlossen habe vorgestern Camaro 5 angesteuert. Der Planet ist berühmt für seine Strände und die roten Himmel. Sie entstehen, weil Camaro 5 von drei Sonnen umgeben ist. Und eine davon geht eigentlich immer unter. Nur für vier Stunden ist es wirklich dunkel auf Camaro 5 - dann nämlich, wenn die Planetenrotation einen in den Schatten aller drei Sonnen dreht. 

Viel Sonne, wenig Schlaf und weite Strände - das hat Camaro 5 zum beliebten Urlaubsziel für Spaßtouristen gemacht. Man genießt die Hitze, das Wasser und die wilden Parties an tausenden Strandbars.

Hätte mich jemand vor drei Monaten gefragt, ihn auf Camaro 5 zu begleiten, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt. Zuviel Lärm, zuviele Idioten und viel zu viel Alkohol. All das kann man auch zu Hause und sehr viel billiger haben.

Doch ich habe Spaß hier und kann noch nicht deuten warum. Vielleicht haben die Erlebnisse der letzten Wochen ungeahnte Bedürfnisse geweckt und meine Meinung geändert. Aber ist das wichtig?

Wichtig ist, dass ich den ganzen Tag am Strand gelegen habe. Und mein Sonnenbad habe ich nur zum Baden oder Cocktail trinken unterbrochen.

Und auch die anderen Strandbesucher sind ziemlich entspannt. Bin ganz schnell mit einer jakitanischen Urlauberin ins Gespräch gekommen. Sie hat mich nach Sonnenmilch gefragt. Wir sind ins Gespräch bekommen. Ich habe von meinem Galactical erzählt - natürlich ohne die Spionagegeschichte. Sie fand die Idee trotzdem sehr spannend. Sie habe nämlich nur 4 Tage Urlaub im Jahr. Und ein Jahr auf Jakiati entspricht drei Erdenjahren.

Um so mehr hat sie im Urlaub keine Zeit zu verlieren. Sie hat mich heute Abend zum Tanzen eingeladen. Und dieses Mal bin ich mir sicher, dass sie kein Formwandler ist. Einen Gestalt-Stabilisator habe ich nämlich nicht an ihrem Körper gesehen. Ich habe genau hingesehen und sie hatte auch wirklich nicht viel an. Nur ein leichter Bikini bedeckte ihre goldene Haut und die Sonne leuchtete auf den bronzefarbenen Haaren.

Eigentlich ist alles perfekt gerade. Bis auf eine fiese Schwellung an der rechten Hand. Mich muss hier etwas gestochen haben. Der Ballen unterhalb des Daumens glüht regelrecht und juckt unregelmäßig fürchterlich.

Wenn es nicht besser wird, gehe ich morgen mal zum Arzt.

Aber heute Abend habe ich besseres zu tun :-)

 

Filed under  //   Tag 054  
28
Oct 2410

Tag 54 | Zurück zu den Sternen

Die letzten sechs Tage hatte ich keine Lust zu schreiben.

Ich hätte auch wenig zu erzählen gehabt. Nach den Aufregungen der letzten Wochen hat mich die riesige Stadt nun völlig überfordert. Hier zwischen Milliarden von Lebewesen, von denen ich niemand kannte, fühlte ich mich einsamer als im Weltall. Warum sich dann von einer zur anderen Sehenswürdigkeit schleifen, dachte ich. Und so habe ich die meiste Zeit auf meinem Hotelzimmer verbracht.

Ich lag auf dem Bett, sah fern und ließ mir Essen liefern. Mit zweiundvierzigtausend Kanälen kann man sich schon eine Weile beschäftigen. Aus jedem Winkel des Universums strömten dreidimensionale Bilder auf meinen Schirm. Ich sah neue Welten und hörte neue Sprachen. Einige klangen wie aneinandergeschlagene Holzstöckchen, andere wie bösartiges Gebrüll. Die Bilder wurden oft von Musik begleitet mal Her- mal Ohrzerreißend. Schon seltsam, dass fast alle Wesen im Universum das Bedürfnis eint, einander Geschichten zu erzählen. 

Die Auswahl der Kanäle überließ ich schnell einem Zufallsgenerator. Meiner Stimmung angemessen hatte ich den Computer angewiesen, sofort einen neuen Kanal zu suchen, sobald ich "Langweilig" sagte. Manchmal sagte ich es dreißig, vierzig Mal hintereinander - nur um mich zu beschäftigen.

Geschlafen habe ich in diesen Tagen wenig. Nur wenn mir die Augen zugefallen sind. Ab und an habe ich meinen Nachrichteneingang kontrolliert in der Hoffnung, dass ich etwas Neues über den Formwandler erfahren würde. Doch da kam nichts. Bis auf eine automatisierte Meldung, dass ich den Planeten noch nicht verlassen dürfe. Ich sollte mich für weitere Gespräche bereithalten. Doch die kamen nie.  

Ein paar Mal wollte ich meine Freunde auf der Erde anrufen. Doch kaum hatte ich ihren Kontakt auf dem Bildschirm, brach ich ab. Sie sollten mich nicht so sehen - im verknitterten Schlafanzug, die Haare zerzaust, der Bart stoppelig und mit blauschimmernden Ringen unter den Augen. 

Also habe ich mich wieder den flimmernden Bildern zugewendet und mich gefragt, warum ich eigentlich meine Reise begonnen hatte. Ich hätte mich ja auch durchs All zappen können.

Gut, ein wenig Zeitverzögerung ist dabei. Die Signale von Alpha Zentauri brauchen selbst im Hyperraum noch knapp zwei Wochen, bis sie hier eintreffen. Das ist schlecht für Nachrichtensendungen. Aber so viel passiert in den drei Kolonien dort auch nicht. Wie ich gesehen habe ist (bzw. war vor zwei Wochen) ein defekter Feldroboter schon einen Bericht in den Nachrichten wert. 

Spannender sind die Nachrichten von Xertis-Delta 7. Dort liegen zwei Welten seit gut tausend Jahren im Krieg. Und beide Seiten überbieten sich mit Propagandafilmen voller bunter Fahnen und epischen Aufmärschen, sowie feierlichen Ehrungen und Beerdigungen von Kriegern. Dabei sind die Bewohner dieser Planeten durch die enorme Schwerkraft dort nur knapp einen Meter groß....

Gelöst habe ich mich von meiner Fernseher nur, um aufs Klo zu gehen. 

Erst heute morgen rissen mich ohrenbetäubende Bauarbeiten aus meiner Lethargie. Da Rattern und Hämmern der Baumaschinen nicht auszuhalten waren, beschloss ich nach meinem Schiff zu sehen. 

Als ich am Stellplatz der Charger ankam, stieg meine Laune wieder. Es war so, wie ein lange verlorenes Haustier wieder zu sehen. Zärtlich strich ich über das kalte, grüne Metall der Außenhülle. Ich roch den alten Rus neben den Triebwerksöffnungen. Dann öffnete ich die Tür und betrat das Schiff. Sofort fühlte ich mich zuhause.

Auf dem Stuhl im Cockpit sitzend prüfte ich meine Nachrichten erneut. Und da war sie: Die Starterlaubnis. Eine Last fiel mir von den Schultern. Ich rief im Hotel an, bezahlte und ließ mir meine Sachen bringen. 

Als ich die Triebwerke startete, schloß ich die Augen. Als ich die Atmosphäre durchstieß, lag der Formwandler bereits hinter mir.

Ohne Sternenkarte suchte ich mir ein Ziel. Den zweiten Stern von links, bis zum Morgengrauen. Dann würde ich auch wieder lachen können. 

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23
Oct 2410

Tag 48 | Verwirrt, versteinert ohne Ziel.

Der Formwandler ist dank meines Einsatzes gefasst. Ich blicke auf die aufregensten Tage meines Lebens zurück.

Doch es fühlt sich überhaupt nicht gut an. Ganz im Gegenteil: Ich fühle mich leer und ziellos. Wie sich ein Marathonläufer, dem man das Laufen verbietet.

Heute war ich noch einmal auf der Sicherheitswache. Ich wollte nachhaken, ob ich noch eine Aussage machen soll. Immerhin bin ich in das Haus eingebrochen, in dem sich der Formwandler-Spion versteckt gehalten hat.

Doch schon am Empfang wurde ich von einem Polizeischüler mit freundlichen Worten wieder nach Hause geschickt. Die Sicherheitskräfte seien mir sehr dankbar für meinen Einsatz. Deshalb sehe man davon ab den Einbruch zu ahnden. Aber künftig sollte ich das Ermitteln Profis überlassen. Einen schönen Tag noch und einen angenehmen Aufenthalt. 

Dabei habe ich so viele Fragen: Was werden sie aus dem Formwandler heraus bekommen? Welche Technologie hat er gestohlen? Sie muss wahnsinnig wichtig sein, wenn die Halai einen Abgesandten bis ins Nigel System schicken. Normalerweise verlassen die Halai nicht mal ihren Planeten. Doch sowohl auf Kirill 5 wie auch hier habe ich einen Halai in der Nähe der Sicherheitsleute gesehen. Das Gesicht immer unter einer Kapuze versteckt. 

Als ich die Sicherheitswache verließ, stand ich eine ganze Weile wie versteinert auf der Straße. Ich hatte keine Ahnung wohin ich gehen sollte. Es ist ein komisches Gefühl, wenn man ein Ziel so plötzlich erreicht, dass man nie über ein neues nachgedacht hat.

Jetzt war ich auf einmal wieder ein Tourist. 

Vielleicht ist das alles auch ganz gut so, dachte ich. Schließlich bin ich in mein Galactical aufgebrochen, um Urlaub zu machen - und nicht um in interplanetare Spionagekonflikte zu geraten. Vielleicht ist es am Besten, die letzten Tage als eine Urlaubsepisode - wenn auch eine Besondere- abzutun und mich wieder auf Sightseeing einzulassen. 

Deshalb habe ich heute die Garten-Stadt auf N2, dem zweiten Stadtplaneten im Nigel-System besucht. Es ist so ziemlich die einzige größere Grünfläche der Megacity und ein beliebtes Ausflugsziel. Die Bewohner liegen im Gras und genießen den Schatten, der gewachsenen Häuser. Man nennt die Gebäude so, weil sie aus genetisch-veränderten Bäumen geschaffen wurden. Die Architektur ist wirklich über fünf Jahre entlang eines architektonischen Bauplanes gewachsen, den die Ingenieure in die DNA der Pflanzen geschrieben haben.

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Entsprechend organisch schrauben sich die Häuser zum Himmel. Um in ihnen zu wohnen, muss man allerdings sehr wohlhabend sein. Immerhin verfügt das Größte von ihnen über eine Aussichtsplattform.

Von dort aus konnte ich über die Grasflächen blicken. Die Sonne spiegelte sich tanzend in den künstlichen Kanälen und Lagunen der Garten-Stadt. Am Horizont erhoben sich in alle Richtungen grau drohend die Hochhäuser aus Stahl und Stein. Wie ein Zaun umgeben sie die Gartenstadt und ihre Blicke scheinen neidisch auf das satte Grün gerichtet. Denn hinter ihnen beginnt die Enge der Stadt, der Dschungel aus Asphalt und Lärm, der auf der Aussichtsplattform nur als ein entferntes Summen zu hören ist. 

Ich konnte mich nur kurz an dem Anblick erfreuen. Meine Gedanken wanderten zurück in die dunkle Einsamkeit der Kanalisation. Ich erinnerte mich, wie dort das Adrenalin in meinen Adern gerauscht hatte. Dort unten - bis zur Brust in stinkendem Dreck - dort unten habe ich mich lebendig gefühlt. Als ich dem Formwandler nur mit einer Glasflasche bewaffnet gegenübertrat - da habe ich mich lebendig gefühlt. In der Unterwelt von Kirill5, als ich einem Verbrecherkönig gegenüberstand - da habe ich mich lebendig gefühlt. Selbst als mich der Formwandler in Gestalt einer Frau verführte, habe ich mich lebendig gefühlt. Allem Ekel zum Trotz, den der Gedanke jetzt auslöst. 

Auf dieser Aussichtsplattform aber, war ich tot - ein Niemand. Ein gesichtsloser Angestellter. Ein Tourist, den es wie die anderen Besucher der Plattform, die es auf einen fernen Planeten verschlagen hat, um ein paar Holo-Aufnahmen zu machen und sich in Hotelrestaurant zu überfressen.

Jemand eine Idee, was ich jetzt mit mir anfangen soll?

Filed under  //   Tag 048  
20
Oct 2410

Tag 45 | Ein schnelles Ende. Was nun.

Und dann ging alles viel schneller als erwartet.

Seitdem ich durch die Kanalisation in das Haus eingedrungen war, in dem sich der Formwandler versteckt hält, um die Microkamera anzubringen, habe ich wieder meinen Beobachtungsposten im Café auf der gegenüber liegenden Straßenseite eingenommen. 

Gestern fiel fiel auf, dass ich noch nie auf den Namen des Cafès geachtet hatte oder auf die anderen Gäste. V'branin - so heißt das Cafè. In dem gemeinsprachlischen Dialekt, der im Nigel-System üblich ist, heißt es Wirbelsturm. Heute kann ich sagen, dass es kaum einen passenderen Namen für das Café geben kann. 

Ich hatte mich in eine Ecke verkrochen und beobachte durch kleinen Bildschirm an meinem Handgelenk die Bilder, die die Microkamera sendete. In mattem Grün schimmerte der Flur und die Tür zu der Wohnung in der sich der Formwandler versteckt hielt. Ich wartete darauf, dass er endlich die Wohnung verließ, damit ich sehen konnte, welche Identität er sich nun gegeben hatte. Erst hatte er mich in Gestalt einer Frau verführt, dann in einen Spionagefall verwickelt und letztlich sogar die Identität meiner Freunde gestohlen. Er würde nicht mal ahnen, dass ich ihm so eng auf den Fersen war. Aus mir wird noch ein ganz respektabler Detektiv, dachte ich kurz.

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Schon verrückt, wie schnell sich das Leben ändern kann. Noch vor 1,5 Monaten saß ich jeden Morgen an einem Schreibtisch, sortierte Verwaltungsakten über Laticium-Minien im Bellaris-Sektor und ruinierte meinen Magen mit billigem Café und Langeweile. Und nun? In den letzten zwei Wochen bin ich zum Hacker, Einbrecher und Spion avanciert. Alles um zu verhindern, dass der Formwandler die Identität meiner Freunde nicht für seine dunklen Machenschaften ausnutzt. 

Das Videobild der Kamera flackerte immer noch blass. Auch nach Stunden keine Bewegung. Was macht dieses Wesen so lange in einer Wohnung. Irgendwann muss er sie doch mal verlassen. Ich schob das blaue Halstuch, dass mein unteres Gesicht verdeckte zur Seite und nippte an einem Alderianischen Gewürztee. Er sollte meinen Magen beruhigen. Denn ganz spurlos geht meine Verwandlung zum Gegenspion nicht an mir vorbei. Nachts schlafe ich schlecht, sorge mich um mein Leben und das Leben meiner Freunde. Mein Appetit ist spätestens seit den einsamen Tagen in der Kanalisation vergangen. Dort wurde ich von einer Überlebens-Weste per Infusion ernährt, da ich den Schutzanzug nicht ablegen konnte. Mein Körper weigert sich seit dem feste Nahrung auf zunehmen.  

Doch ich versteckte mein Gesicht nicht hinter dem Halstuch, um meine eingefallenen Wangen zu verbergen. Noch viel weniger, wollte ich von dem armen Schlucker entdeckt werden, den ich mit dem defekten Störaender in die Alarmanlage geschickt hatte, um das Sicherheitssystem zu testen.

Plötzlich vibrierte mein Armband und riss mich aus meinen Gedanken. Ich sah wie sich die Tür langsam öffnete. Ein junger Mann trat aus der Wohnung. Er war um die zwanzig Jahre alt, menschlich und trug einen Arbeitsanzug mit dem Logo einer interplanetaren Spedition. Über seine Schulter war ein Seesack geworfen. Er sah auf die Uhr. 

Das war also die neue Identität des Formwandlers. Und ich wusste sofort, dass er sie nutzen würde, um aus dem Nigel System zu verschwinden. Er würde einen Frachter entgegennehmen, die geplante Route verlassen und dann wäre es unmöglich sein ihn in den Weiten des Alls aufzutreiben. Soweit durfte es nicht kommen. 

Mein Herz pochte bis zum Hals, als ich meinen Beobachtungsposten aufgab und mich an der Tür des Cafés postierte. Von hier aus hatte ich den besten Blick auf den Eingang des Hauses. Nur zwanzig Meter trennten mich von der Tür aus der der Formwandler in wenigen Minuten kommen musste. Die Minuten wurden zu Stunden. Jedes Mal wenn sich die Tür öffnete spannten sich meine Muskeln an.

Was wenn er bewaffnet ist, schoss mir in den Kopf. Darüber hatte ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Immerhin wollte ich gerade einen interplanetar gesuchten Spion stellen. Mein Verhalten kam mir töricht vor, dumm und arrogant. Was dachte ich wer ich bin. Ich verlor sofort meinen Mut, wollte ins Café zurückgehen und mich verstecken. Da öffnete sich die Tür den Hauses und der Formwandler trat auf die Straße. 

Er hatte den Blick nach untern gesenkt und eine Mütze aufgezogen. Noch hatte er mich nicht gesehen. Diese Gelegenheit würde ich nur einmal haben. Ich griff nach einer kleinen Glasflasche neben mir auf einem Tisch, steckte sie in meine Manteltasche - immerhin hatte ich nun das Gefühl ein wenig bewaffnet zu sein - und ging ihm nach. 

Ich war in seinem Rücken, holte auf, packte ihn von hinten an der Schulter und riss ihn um. Das Gesicht des Formwandlers erstarrte. Eine siegessichere Euphorie strömte durch mich durch. Eine Welle aus MAcht-hormonen.

"Na überrascht", sagte ich. 

Die Antwort war ein Faustschlag mitten in mein Gesicht. 

Übertölpelt fiel ich zu Boden. Es gelang mir aber mich an den Beinen den Formwandlers festzuklammern. Auch er fiel zu Boden, schrie "Überfall, Überfall" und begann nach mir zu treten. Mit der rechten Hand fühlte ich den Formstabilisator unter seiner Hose. Er hatte ihn sich wie einen Ring um den Knöchel gelegt und ohne das Gerät kann ein Formwandler seine Form nicht halten.

Trotz der Tritte gelang es mir den Stabilisator von seinem Knöchel zu lösen. Die ersten Passanten näherten sich bereits um dem Arbeiter zu helfen, der in ihren Augen von mir angegriffen wurde. 

Da löste sich seine Form auf. Und die grün-schuppige Haut kam zum Vorschein, die mit einem dunklen Schleim überzogen war. Die Passanten schreckten zurück.

Und dann waren plötzlich überall Sicherheitskräfte. Keine Ahnung wo die herkamen. Sie umstellten uns und richten ihre Gewehre auf den Formwandler.

Der wechselte seine Form in Maja - die Frau in die ich mich verliebt hatte. "Hilf mir", säuselte sie. "Es geht um das Schicksal des Universums". Sie streckte mir die Hand aus. Und ich weiß nicht warum - aber ich nahm sie. Und als sich unsere Haus berührte durchzog mich ein stechender Schmerz. Ich zog die Hand zurück.

Die Sicherheitsleute führten sie ab und brachten mich auf eine Polizeistation. 

Dort dankte mir ein Offizier für meine Mithilfe, einen gefährlichen Spion zu schnappen. Und im Augenwinkel sah ich wieder den Halai in einem Büro verschwinden. Haben die mich die ganze Zeit beobachtet. 

Der Offizier schickte mich in mein Hotel zurück. 

Man brauche mich jetzt nicht mehr und ich sollte lieber wieder anfangen meinen Urlaub zu genießen. 

Wie soll das gehen?

Filed under  //   Tag 045  
18
Oct 2410

Tag 46 | Der Plan ist geglückt: Die Kameraverbindung steht.

Endlich.

Es hat mich fünf volle Tage gekostet, um die Microkamera zu installieren. Und es waren die übelsten fünf Tage meines Lebens - bisher. 

Nachdem mein erster Versuch gescheitert ist, das Sicherheitssystem des Hause, in dem sich der Formwandler versteckt hält, mit einem Störsender zu überlisten, musste ich nachdenken. Einen vollen Tag bin ich durch die Datenbanken des Nigel Systems gesurft um eine Schwachstelle zu finden, eine Möglichkeit das Haus nicht durch den Haupteingang betreten zu müssen.

Letztlich bin ich in den Computer der Hauptverwaltung eingedrungen und habe mir die Baupläne des gesamten Viertels besorgt. Schließlich musste es doch irgendwo einen Zugangspunkt geben. Und ich fand ihn auch - in der Kanalisation.

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Ich hätte es mir denken können. Ein Planet, dessen Oberfläche bis auf den letzten Quadratmeter bebaut ist, hat eine riesige und über weite Strecke uralte Kanalisation. Viele Kanäle sind schon viele hundert Jahre alt. Alte gemauerte Tunnel, die von ferngesteuerten Robotern gewartet werden. Andere Welten sind längst dazu übergegangen ihre Abwässer sofort in den Wohnungen zu recyclen. Doch der Energieaufwand in einer Metropole wie dem Nigel System mit vielen Milliarden Bewohnern ist einfach zu groß. Deshalb muss man den Dreck ganz altmodisch in unterirdischen Sammelbecken stauen, um ihn dan systematisch umzuwandeln.

Immerhin findet man kein Ungeziefer in den Kanälen, da sie luftfrei versiegelt sind. Das bedeutete allerdings für mich, dass ich in einem Weltraum-Anzug durch die zumeist Brusthoch stehenden Abwässer waten musste. Dabei kam ich nur sehr schlecht voran. Um nicht aufzufallen musste ich einen nicht sofort einsichtigen Zugang in die Kanalisation finden. Vor allem einen in dessen Nähe ich ungesehen einen Weltraum-Anzug anziehen konnte. Denn mit meinem versilberten Helm wäre ich sicherlich überall aufgefallen.

Ich fand den Zugang in einer mietbaren Lagerhalle. Für acht Tage mietete ich unter dem Vorwand ein Händler zu sein, der auf seine Ware mietete eine drei Hektar große Lagerhalle. Sie lag etwa 10 Kilometer Luftline von dem Haus entfernt durch dessen Notwasser-Schacht ich eindringen wollte. Für die Miete musste ich mein Konto weit überziehen. Und wenn die Aktion keinen Erfolg hat, werde ich meinen Urlaub sicher abbrechen müssen.

In der Halle war es eiskalt. Die Wände waren von der Einstiegs-Luke in die Kanalisation so weit entfernt, dass sie trotz meiner starken Lampe immer im Dunkel verschwanden. Ich hatte den Weltraum-Anzug aus der Charger mitgebracht zusammen mit  einer Notversorgungsweste. Diese Dinger versorgen den Körper über einen venösen Zugang für gut eine Woche mit Nährstoffen für den Fall, dass man aus einem Schiff aussteigen muss. Und ich wusste, dass ich einige Zeit brauchen würde. Die Versorgungsnadel bohrte sich kalt in meinen Oberarm und ein eiskaltes Gefühl breitete sich von der Einstichstelle aus. 

Vorsichtig stieg ich die Leiter hinab in die Luftschleuse zur Kanalisation. Nachdem die Luft abgepumpt worden war, öffnete sich der Weg in den Kanal. Bis zur Brust tauchte ich in eine dampfende, braune Brühe, die sich schlammig zäh durch das gemauerte Rohr quälte und meinen Anzug aufwärmte.  

Ich kontrollierte die Karte auf meinem Head-up Display und marschierte los. Natürlich gegen die Strömung.

Für vier Tage war die Brühe mein Zuhause. Wenn ich schlafen musste, dann nutzte ich eine der Wartungsplattformen. Die Roboter ignorierten mich. Hier unten hatte ich viel Zeit die letzten eineinhalb Monate Revue passieren zu lassen. Ein Erholungsurlaub sieht sicherlich anders aus. Trotzdem fühlte ich mich dort unten lebendiger als jemals zuvor in meinem Büro. 

Heute morgen dann erreichte ich den Zugang zu dem Mietshaus. Ich öffnete den Zugang und kam in einem Kellerraum raus. Wie auf den Kanalisationsplänen verzeichnet, war der Zugang nicht gesichert gewesen. Wer rechnet schon mit einem solchen Aufwand, um in ein Mittelklasse-Mietshaus einzubrechen. Ich zog den Anzug aus. Er stank fürchterlich. 

In frischer Kleidung, die ich in einer der Taschen verstaut hatte. Verließ ich den Keller. Ungesehen nahm ich den Fahrstuhl in den 345 Stock. Die Tür zur Wohnung, die der Formwandler angemietet hatte, war verschlossen. Es dauerte nur eine Minute, dann hatte ich die Kamera mit dem Borium-Sensor installiert.

Doch als ich auf dem Weg zurück in den Keller war, brach ein Feueralarm aus. Alle Bewohner stürzten aus ihren Wohnung und zum Haupteingang. Ich wurde von einem Strom aus Körpern mitgerissen und aus dem Haus gespült. Es war ein Fehlalarm. Wer ihn wohl ausgelöst hat?

Dummerweise liegt mein Raumanzug noch in dem Keller. Ich muss ihn zurückbekommen. Doch das wichtigste: Die Kamera-Verbindung steht. 

Wenn der Formwandler die Wohnung betritt oder verlässt, werde ich sehen, als wer er sich ausgibt und ihn festsetzen können. 

Nur - ich bin Verwaltungsangestellter - wie sollte ich ihn festsetzen. 

Das sehe ich dann.....Hoffentlich. Ich kann ja jetzt nicht mehr zurück. 

 

 

Filed under  //   Tag 46  
13
Oct 2410

Tag 43 | Der Einbruch misslungen. Ein neuer Plan.

Es ist mir nicht gelungen, die Microkamera zu installieren.

Eigentlich wollte ich jetzt schon mit einem mobilen Bildschirm an meinem Handgelenk die Tür zu der Wohnung im Blick haben Vibrationsalarm in der sich der Formwandler versteckt.

Der ursprügnliche Plan war ganz einfach. Ich wollte es dem Formwandler, der sich als einer Freunde ausgibt, gleich zu tun. Mit einer falschen Uniform und einem Störsender, der das DNA-Sicherheitssystem blockieren sollte, wollte ich in das Gebäude und die Kamera installieren.

Dieser Versuch ging daneben. Der Störsender, den ich in einem Elektroladen auf N3, dem Ärmsten der drei Stadtplaneten erworben hatte, wurde schon bei der ersten Annäherung an die Tür vom Sicherheitssystem entlarvt. Der Alarm wurde ausgelöst. Plötzlich tauchte ein Kraftfeld aus dem Boden auf. Es ersteckte sich in einm Halbkreis von 1,5 Metern um die Tür herum. Sein Inneres wurden Schallwellen geflutet, die zur sofortigen Betäubung führen.

Ich bin nicht zusammengebrochen. Dem Störsender hatte ich vom Kauf an misstraut. Er war labil programmiert und viel zu billig gewesen - aber das einzige Gerät, dass ich erweben konnte, ohne den Schwarzmarkt zu kennen. (Hilfe ich werde vom Mienenverwalter zum Gesetzlosen). Deshalb habe ich den Störsender einem ahnungslosen Bewohner des Hauses in die Tasche gesteckt.

Er kam in das Café, in dem ich meinen Beobachtungsposten hatte, und bestellte einen Tee. Ich ging zu ihm. Auf dem Weg von meinem Tisch zur Bar, wo er stand, fürchtete ich kurz, dass der Mann der Formwandler in anderer Getalt sein könnte. Dann hätte ich ihn sofort gewarnt. Aber die Chancen stehen 1:60000 bei der Größe der Gebäudes.

Der Mann, ein Mensch um die 30 mit ordentlich sitzendem Anzug und kurz geschorenen Haaren, hatte einen Nargitanischen Gewürztee bestellt. Ich stellte mich neben ihn und fragte, wie dieser außergewöhnlich Tee wohl schmecke.

Es gefiel ihm auf seinen Geschmack angesprochen zu werden. Seine Augenbrauen senkten sich nach der kurzen Verwunderung angesprochen zu werden wieder. Ein freundliches Lächeln flog über sein Gesicht. Er liebe diesen Tee, sagte er. "Der erdig-scharfe Geschmack bringt ihn nach einem harten Tag wieder auf die Erde. Das ist wie Meditation" Die brauche er auch, erzählte er, denn er habe sich mit seiner Frau gestritten. Kaum hatte er das aufgesprochen, rief er die Bedienung hinter der Theke her und bestellte einen Tee für mich.

Während er das tat, lies ich den Störsender in seine Taschen wandern. Es tat mir leid ihn als Testkaninchen zu verwenden. Aber ich kann kein Risiko eingehen. Sollte der Sender funktionieren, wollte ich ihn am Eingang abpassen und in ein erneutes Gespräch verwickeln. Ich war mich sicher, dass sich daraus die Gelegenheit ergeben hätte, den Sender zurück zu holen.

Na ja dazu kam es nicht. Ich bedankte mich für den Tee und nachdem wir ihn getrunken hatten, verabschiedete er sich. Sein Tag sei lang gewesen und er wollte nur noch nach Hauseum Frieden zu schließen. Er wechselte die Straßenseite. Kaum hatte er sich zur Identitätsprüfung der Tür genähert, bemerkte das Sicherheitssystem den Störsender und löste Alarm aus.

Ich brauche einen neuen Plan!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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