MY GALACTICAL

Mit dem Camping-Kreuzer ein Jahr durchs Universum. Mein Reisetagebuch.

10
Sep 2410

Tag 10 | Wellness am Rande des Vulkans. Das "SPA of the Universe" auf dem dritten Mond von Pakinuv 5.

Gestern bin ich auf dem dritten Mond von Pakinuv 5 gelandet.

Die Einheimischen von Pakinuv 5 nennen ihn Byknar. Und der Kontrast zum Dschungelplaneten Zeta Picoris könnte größer nicht sein. Byknar leuchtet nicht grün ins Dunkel des Universums. Seine Oberfläche ist nicht von dichten grünen Mangroven überwuchert, die sich hundert Meter hoch zum Himmel strecken. Auf Byknar gibt es keine Vogelgezwitscher zwischen den Wipfeln.

Wahrscheinlich gibt es auf dem Trabanten, der um Pakinuv 5 kreist, überhaupt keine tierischen Lebewesen. Dafür gibt es Vulkane. Wie eine schlimme Akne im Gesicht eines Teenagers überziehen sie die Oberfläche des Planeten und speien ihren glühenden Eiter auf die kargen Felswüsten.

Zwischen den Vulkanen weht steht's ein heißer Wind. Er treibt dichte Staubwolken aus Sand, Asche und Sedimentgestein vor sich her. Wie ein ewiger Sandstrahler schleifen sie die Felsen der Landschaft rund. Unterbrochen werden die beißenden Sandstürme durch heftige Gewitter. Pünktlich wie ein Uhrwerk explodieren Sie jeden Nachmittag über den Vulkanen. Sintflutartige Regenfälle verdampfen auf heißem Stein und die Wassermassen verwandeln sich in reißende Ströme und graben tiefe Höhlen in den Flels. Solange bis der letzte Tropfen verdampft ist. 

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Genährt werden die Gewitter aus einem gefrorenen Ozean auf der eiskalten, meist sonnenabgewandten Seite des Mondes. Die Vulkanischen Aktivitäten nagen seit vielen Jahrtausenden an seinem ewigen Eiskern. auflösen können sie ihn nicht. Nur wenige Stunden am Tag lässt die Sonne die oberen Eisschichten verdunsten und dicken Nebel aufsteigen. Sobald die Sonne dem Eis den Rücken zukehrt, erfrieren die Wolken wieder und gehen als Schnee zu Boden.

Warum also sollte mann einen solchen Planeten besuchen?

Zum einen weil diese außergewöhnliche Natur eines der größten bekannten unterirdischen Höhlensysteme geformt hat. Tiefe Magma-Schächte durchziehen den Mond. Wie ein blutleeres Adersystem verästeln sich diese Höhlensystem über tausende von Kilometern. Wenn man möchte, kann man sein Leben lang durch diese Höhle wandern, ohne eine Höhle zweimal besuchen zu müssen. Allerdings sollte man das nicht auf eigene Faust probieren. Denn immer mal wieder kreuzen die aktiven Magmawege die alten. Einem unerfahrenen "Höhlenforscher" droht nicht nur, sich zu verirren, sondern auch plötzlich einer brodelnden Magmakaverne gegenüberzustehen. 

Zum anderen befindet sich auf Pakinuv 5 ein riesiges Wellness-Hotel.  In die Höhlen von Ak-Nar gebaut ist das SPA of the Universe ist Anlaufpunkt für Reisende aus vielen Welten. Die Nähe von Feuer und Eis, die es nur hier gibt, schafft die idealen Vorraussetzungen für natürliche Saunen und unterirdische Thermen. Gut geschützt von dem rauhen Klima, kann man hier sprichwörtlich die Seele baumeln lassen. So oder so ähnlich steht es in meinem Reiseführer. 

Was dort nicht stand: Der Anflug auf das Hotel ist ein wahrer Höllenritt. Man braucht schon ein robustes Gemüt, um sich im Sichtflug durch die Gewitterfronten und Sandstürme zu kämpfen. Ich war schweißnass, als ich die Landplattform endlich erreicht hatte. Kurz zuvor hatte ich im Tiefflug einen Felsen gestreift und dabei die Trägheits-Dämpfer meiner Charger ruiniert. Das plötzliche Schlingern der Steuerungsdüsen hat den Anflug nicht vereinfacht. Das kann ich euch sagen. Als ich endlich unten war, konnte ich Entspannung bestens vertragen.

Die habe ich hier auch gefunden. Obwohl man sich an die Umgangsformen der Halai gewöhnen muss, die auf Pakinuv 5 zuhause sind. Zunächst einmal, weiß niemand so genau, wie die Halai eigentlich aussehen. Sie sind humanoide, soviel ist sicher. Doch sie verhüllen ihren Körper vollständig und sind Fremden gegenüber sehr distanziert, fast schon abweisend. Ihr Glaube verbietet eigentlich den Kontakt mit Fremden. Daher ist es ist streng verboten, ihre Heimatwelt zu besuchen. Doch die Verlockungen des Geldes und die anhaltende Wirtschaftskrise auf Pakinuv 5 hat sie dazu gebracht, auf dem Mond etwas weniger streng mit sich zu sein. 

Weniger streng bedeutet allerdings nur, dass einen ein verhüllter Rezeptionist kühl begrüßt und einem den Zimmerschlüssel, sowie den Rettungschip in die Hand drückt. Diesen heftet man sich auf die Haut, damit man im Fall eines Magma-Einbruches per Beamen evakuiert werden kann. Anschließend folgt noch ein Hinweis, dass die Sauna-Landschaften nach planetarer DNA getrennt sind. Das heißt im Klartext: Eine Vermischung von Spezies ist in den Saunabereichen nicht erwünscht. Auch das ist dem Glauben der Halai geschuldet.

Ich persönlich finde das ziemlich schade. Für mich ein guter Grund nicht länger als ein paar Tage zu bleiben. Denn wenn ich allein unter Menschen sein wollte, hätte ich auch auf der Erde bleiben können. Doch zumindest bis meine Trägheits-Dämpfer repariert sind, will ich meine Zeit hier genießen.

Die Zimmer sind wirklich etwas besonderes. Sie sind in natürlichen Höhlen untergebracht. Die Wände sind unverputzt und wenn man mit dem Finger darüber fährt, fühlt man jede Pore des Gesteins. Ein künstlicher Holo-Himmel sorgt nicht nur für Licht, sondern auch für einen wolkenloses Blau über dem Bett. 

Obwohl es verlockend war, sich in das riesige Bett zu verkriechen, blieb nicht lange in meinem Zimmer. Ich warf den Bademantel über, der fein gefaltet auf meinem Bett lag, und begab mich in den Wellness-Bereich. Mein erster Weg führte mich in einer Magma-Sauna mit trockener Hitze. Sie liegt so dicht an einer Magmakaverne, dass die Wand aus schweren Kristallen zu glühen beginnt.

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Schon nach wenigen Minuten fühlte ich richtig, wie sich die Nacken-Verspannungen des Landemanövers in der Wärme auflösten. Auch der Ärger über den wegen des Blutfiebers verpatzten Besuchs auf Zeta Picoris verschwand. 

Anschließend gönnte ich mir noch eine Schwerkraft Massage. Mithilfe von Kraftfeldern werden die Muskeln dort verschiedenen Schwerkräften ausgesetzt. Ein System dass es nur im SPA of the Universe gibt.

Andere Menschen habe ich traurigerweise bisher noch nicht gesehen gestern. Ich hoffe ich bin nicht der einzige Gast. Um das herauszufinden, habe mich zu einer Führung durch die Höhlensysteme angemeldet. Vielleicht lerne ich dort jemanden kennen.